Zum Weinbau um die Laurenburg und Scheidt.

Ein Beitrag zur geschichtlichen Aufarbeitung.

Matthias C. Schmidt, Scheidt und Gerhard Gemmer, Troisdorf, 2015

Vorwort.

Dieser Beitrag zur Aufarbeitung der Geschichte des Weinanbaus um die Laurenburg und Scheidt folgt dem Wunsch der beiden verstorbenen Bearbeiter der ‚Bibliographie zum Weinbau an der Lahn‘, dass diese für weitere lokale Untersuchungen sowie für die noch ausstehende Gesamtdarstellung des Lahnweinbaus Anregung und Hilfe sein möge.
Die Verfasser beabsichtigen mit diesem Beitrag, bisher bekannte und genannte sowie neue Fundstellen innerhalb der heutigen Grenzen der Gemarkungen Scheidt und Laurenburg zusammenzufassen, diese untereinander und mit bisher erfolgten Veröffentlichungen zu verknüpfen sowie die Belege der mehrere Jahrhunderte überlieferten Kultur des Weinbaus in dieser Region räumlich zuzuordnen.
Zudem sollen aus diesen Erkenntnissen identifizierte zeitliche Meilensteine in den Gemarkungen markiert und durch Präsentation der geschichtlichen Hintergründe einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Matthias C. Schmidt und Gerhard Gemmer, Scheidt 2016

Räumliche Einordnung.

Graf Heinrich von Sponheim (Spanheim) überlässt dem Zisterziensernonnenkloster Affolderbach die Pfarrkirche zu Nievern (Niverin), die Friedrich und Daniel, Herren von Langenau (Langenowe), Dietrich, Heinrich und Wipert, Ritter, Friedrich genannt der Einäugige (dictus Luscus) und Sibido von Laurenburg (Lurinburch) von ihm zu Lehen trugen, auf deren Bitte [hin]. Um aber das Treueband zwischen dem Aussteller und den genannten Mannen zu erhalten, weist jeder von diesen ihm aus Eigengut ein neues Lehen zu im Wert von 18 Schillingen jährlicher Einkünfte, nämlich die Brüder Friedrich und Daniel 2 Mark von ihrem Allod bei Winden (Windin), Dietrich von seinen Weinbergen bei Langenscheid (Langischeith), Heinrich von seinen Weinbergen bei Laurenburg, die Brüder Wipert und Friedrich bei Winzenbach [Wasenbach?] (apud Winzenbach) von ihren Weinbergen bei dem Dorf Aul (Awele), Sibodo von seinen Weinbergen bei dem Dorf Weinähr (Anre).
(HHStAW, 10, 2, 1275)
1345 verkauft der Knappe Johann Dagsterre von Lorch und seine Frau Elisabeth, beider Tochter Luce und deren Mann Knappe Dietrich von Langenbach für 340 Mark dem Kloster Arnstein (Abt Wilhelm) alle ihre Güter im Kirchspiel Esten, zu Laurenburg, Horhausen, Langenscheid, Scheid, ferner einen Weingarten zu Weinähr (Anre), desgleichen am Gutenackerer Berge und eine Wiese zu Diez.
(HHStAW, 11, U91d, 1345)
Ob es sich dabei um den bezeichneten „Arnsteiner Hof“ handelte, ist nicht auszuschliessen.
Dieser Kupferstich aus dem Jahre 1745 weist Weinberge an den Lahnhängen zwischen dem Schloss Laurenburg (C) lahnaufwärts bis zum Dörflern Zilmer (H) aus

Dieser Kupferstich aus dem Jahre 1745 weist Weinberge an den Lahnhängen zwischen dem Schloss Laurenburg (C) lahnaufwärts bis zum Dörflein Zilmer (H) aus.

In der Beschreibung des Laurenburger Burgfriedens (ca. 13. Jhdt.), der die Orte Scheidt und Zulheim umfasste - das Dorf Laurenburg gab es zu dieser Zeit noch nicht -, wird auch bei Scheidt von einem „Weingarten“ gesprochen.


7. Zwischen dem Reyemelt hinauf den Pfarr- und Weingarten bis in den Nuss-Graben (heute „Reuschgraben“).

7. Zwischen dem Reyemelt hinauf den Pfarr- und Weingarten bis in den Nuss-Graben (heute „Reuschgraben“).

Die mit Ausnahme des Pfarrgartens heute nicht mehr bekannten Fluren lassen sich nur noch wage lokalisieren. Die Verfasser gehen aber davon aus, dass der „Pfarrgarten“ weder gleichzeitig der besagte „Weingarten“ noch jener sich diesem unmittelbar anschloss. Er hätte somit am Ostrand Scheidts gelegen, nahezu eben, eher mit leichter Hanglage nach Nord-Osten. Die Verfasser nehmen daher an, dass die als „Weingarten“ bezeichnete Flur oberhalb des Reuschgrabens am beginnenden Abhang zur Lahn lag. Dieser Südhang ist klimatischvorteilhafter als die Ebene am Ort. Zudem sind dort heute noch Terrassenstrukturen sichtbar. Letzte Sicherheit könnte eine Grabung nach den für Steillagen der damaligen Zeit typischen Stützmauern bringen.


7. Zwischen dem Reyemelt hinauf den Pfarr- und Weingarten bis in den Nuss-Graben (heute „Reuschgraben“).

Karte aus dem Jahre 1764 mit Einzeichnung des Burgfriedens (damalige Grenze).
Quelle: 666 Jahre Scheidt - Heimatbuch zum Jubiläum 2009, Hrsg. Ortsgemeinde Scheidt, 2009

Laurenburg.

Die Lage des Blankenberges und dessen heutige Bezeichnung sind nicht bekannt.
Die Verfasser vermuten ihn jedoch wegen seiner „blanken“ Felswände im oberen Teil des Südost-Lahnhanges westlich von Laurenburg im Bogen der dort nach Süden abfliessenden Lahn, an dessen Fuße typische Weinbergsmauern erhalten sind.
Blankenberg

(vermuteter) Blankenberg.

Der hier ‚wider der Burg’ (gegenüber der Burg) benannte Weingarten lag nach Ansicht der Verfasser wegen dessen Südhang vermutlich am heute so bezeichneten „Langeberg “ (Gem.Dörnberg).
Zum Teil gut erhaltene Stützmauern zeugen von dortigem Weinbau.
Bruno Krings benennt den genannten Weingarten bei gleicher Quellennutzung ebenfalls als „Staffeler“, ordnet ihn räumlich jedoch „unter der Burg“** gelegen ein.

** Bruno Krings - Das Prämonstratenserstift Arnstein an der Lahn im Mittelalter (1139-1527) Wiesbaden 1990, S.537

Mauerreste am Weingarten ‚wider der Burg‘, genannt der Staffeler.

Mauerreste am Weingarten ‚wider der Burg‘, genannt der Staffeler.

Die Lagen „oben (und unten) an dem Berg zu Laurenburg und zu Zulheim werden einerseits unterhalb der Burg („oben … an dem Berg zu Laurenburg und Zulheim“) sowie am Fuße des Reuschgrabens (… unten an dem Berg), an dem Zulheim lag, vermutet.
Denn auch hier zeugen gut erhaltenen Stützmauern ebenso vom Weinbau auf Terrassen, wie unmittelbar unterhalb der Burg(mauer).

Die abgebildeten Stützmauern wurden 2015 durch den Brauchtums- und Kulturverein Scheidt-Esterau e.V. teilweise restauriert und 2016 wieder bestockt.
Eine gesonderte Aufbereitung dieses Projektes finden sie hier.

Wingert am Burgberg

Mauerreste eines Wingerts am Burgberg.

Mauerreste eines Wingert am Fuße des Reuschgrabens

Mauerreste eines Wingert am Fuße des Reuschgrabens.

Die Verfasser ordnen den angegebenen Weingarten räumlich deshalb der Laurenburg zu, da kein weiterer Burgberg, an dem Wein angebaut wurde, in der Region bekannt ist.
Die genannte Ortsbeschreibung „clockhuse“ konnte noch nicht identifiziert werden.

Reproduktion der Urkunde

Reproduktion der Urkunde HHStW, 11, 264, 1392

Den benannten „Schenkenberg“ ordnen die Verfasser dem „Schenkelberg“, der in der heutigen Gemarkung Dörnberg liegt, zu.
Ebendort sind trotz intensiver Veränderung des Berges durch den Bergbau im 18. - 19. Jhdt Weinbergsmauern zu identifizieren. Diese lassen sich trotz der Verwendung des gleichen Materials von späteren Mauerwerken für den Bergbau durch ihre Bauweise eindeutig unterscheiden.

Mauerreste am Schenkelberg

Mauerreste am Schenkelberg

Kurze Geschichte des Lahnweinbaus

Die Bearbeiter der Bibliographie zum Weinbau an der Lahn wünschten sich, dass die Bibliographie für weitere lokale Untersuchungen wie für die noch ausstehende Gesamtdarstellung des Lahnweinbaus Anregung und Hilfe sein möge.
Diesem Wunsche folgend möchte der Brauchtums- und Kulturverein Scheidt-Esterau e.V. mit der Erforschung und Bewahrung der Geschichte des Weinbaus um die Laurenburg und Scheidt ein klein wenig dazu beitragen.

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