Scheidt.

Eine Bestätigung für die Besiedelung der Weidenau erhalten wir durch eine noch frühere Urkunde vom 10.06.1319**, in der auf der Cramberger Seite der Lahn ein Weingarten, der ‚Lerser' Wingert genannt, gegenüber dem ‚Hofe in Wydennahwe‘, angeführt wird.
Es kann daher angenommen werden, dass „Ruprecht van Widenauwe“ zu dieser Zeit ebenda wohnte und selbst Weinberge lahnabwärts an der Frohnau - wegen der für Weinanbau günstigeren Hanglage wahrscheinlich an den Hängen der Streitheck oder am Auberg besessen hatte.

** Ritter Marquard von Laurenburg und seine Frau Cecilia überweisen dem Altare der Vincenz- und Levitenkapelle zu Cramberg für ihr Seelenheil folgenden Einkünfte: 10 Malter aud dem Hofe Pranchinhove, bei deren Nichtzahlung der Zehnte und die Rechte daselbst, welche sie von dem Kloster Bleidenstadt haben, an dieses zurückfallen sollen, und andere Renten aus dem Weinberge Lersinwingart, aus den Weinbergen undirme Rabilsteyne gegenüber dem Hofe in Wydenawe, den halben einst dem Heinrich Rabilsteyn gehörigen Weinberg.
HHStAW, 14, U 20 b

Flur Weidenau

Flur Weidenau.

Von diesem Kelterhaus, das zu jener Zeit wohl durch einem Richwin betrieben wurde und noch in zwei weiteren Urkunden zur Ortsbeschreibung herangezogen wird, sind aber weder die Lage überliefert noch bisher Überreste, die auf ein solches hinweisen, gefunden worden.
Dennoch lässt sich sein vermuteter Standort eingrenzen.
Ausgangspunkt des Versuchs einer Ortsbestimmung ist dabei das heute noch bekannte „Börnchen“, eine kleine Quelle am Fuße eines Einschnittes, zwischen Auberg und Streitheck. Wenn auch durch Waldarbeiten vor nicht allzu langer Zeit verschüttet, so ist das Börnchen doch bekannt und der Name überliefert.
Man darf davon ausgehen, dass der für die die Arbeit im Weinberg und der Kelter erforderliche Wasserbedarf durch diese Quelle gedeckt wurde und daher das Kelterhaus in dessen Nähe errichtet worden war. Zudem liegt die Quelle lahnabwärts der markanten und heute so benannten Kuckuckslay (‚nyderwert der Leyen’).
Reproduktion der Urkunde - HHStAW, 12, U 6, 1344

HHStAW, 12, U 6, 1344

Reproduktion der Urkunde HHStAW, 11, U 114 a, 1352

Reproduktion der Urkunde HHStAW, 11, U 114 a, 1352

Der 'lange Weingarten' in der Frohnau.

Der 'lange Weingarten' in der Frohnau" am Fuße des Aubergs (Gem. Scheidt).

Dies ist das dritte Dokument, das auf das Kelterhaus Bezug nimmt.
Hier gehen wir davon aus, dass die Bezeichnung ‚Kelterhausberg‘ den Hang des Streitheck bezeichnet, lahnaufwärts des Börnchens bis zur Kuckuckslay, da auch hier die typischen Stützmauern von Weinbau Zeugnis geben.

Der vermutete 'Kelterhausberg' am Hang des heutigen 'Streithecks' (Gem. Scheidt.)

Der vermutete 'Kelterhausberg' am Hang des heutigen 'Streithecks' (Gem. Scheidt).

Reproduktion der Urkunde HHStAW, 26 170 I, U 728, 1381 März 12

Reproduktion der Urkunde HHStAW, 26 170 I, U 728, 1381 März 12.

Diesen Weinberg finden wir später im Zinsregister des Klosters Bärbach, wo er in einer Eintagung aus dem Jahr 1480 als „der Berppecher“ bezeichnet wird, die mit der präzisen Lagebeschreibung ( gegenüber der Rupbachmündung, neben der unmittelbar lahnaufwärts liegenden Käslay, oberhalb / lahnaufwärts derer sich heute noch zahlreiche und gut erhaltene Weinbergsstützmauern finden lassen) dem Verfasser bei der Betrachtung weiterer Nachweise die Möglichkeit zu deren räumlicher Zuordnung bot.

Lagebeschreibung 'gen der Rupbach'

Weinbergmauern auf der Käslay.

Der 'lange Weingarten' in der Frohnau.

Darstellung der Lage der im Zinsregister beschriebenen Weinberge.

Satellitenaufnahme der Frohnau (Gem. Laurenburg) mit den Lahnhängen im 'Rode' (Gem. Scheidt)

Satellitenaufnahme der Frohnau (Gem. Laurenburg) mit den Lahnhängen im 'Rode' (Gem. Scheidt)"

Geschichte des Weinbaus an der Lahn

Die Bearbeiter der Bibliographie zum Weinbau an der Lahn wünschten sich, dass die Bibliographie für weitere lokale Untersuchungen wie für die noch ausstehende Gesamtdarstellung des Lahnweinbaus Anregung und Hilfe sein möge.
Diesem Wunsche folgend möchte der Brauchtums- und Kulturverein Scheidt-Esterau e.V. mit der Erforschung und Bewahrung der Geschichte des Weinbaus um die Laurenburg und Scheidt ein klein wenig dazu beitragen.
Daher sei an dieser Stelle auch auf den ersten historischen Nachweis eines Weinberges (Wingerts) im Ortsbering Scheidt in der Wiesenstraße hingewiesen:

Ersterwähnung eines Wingerts im Ortsbering Scheidt

Teilweise Restaurierung und Rekultivierung eines historischen Wingerts in der Gemarkung Scheidt

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